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02.08.2018, 13:04 Uhr

Deutschland hat Angst vorm Klimawandel

Manchmal bestimmt Mesut Özil nicht nur die Medienagenda für ein paar Tage, sondern für einen Sommer. Natürlich nicht er alleine, sondern „Die Mannschaft“. Man kann das wunderbar vergleichen mit 2006. Damals war der Juli nochmal zwei Grad wärmer als der Juli 2018, also nochmal 50% weiter über dem Durchschnitt, aber das, was de facto viel schlimmer war als heute, war damals keine böse Hitzewelle, die alles kaputtmachte, sondern ein WM-Sommertraum oder meist das legendäre "Sommermärchen".

Heute ist alles anders. Nicht nur ist die Hitze eine ganz böse geworden, obwohl sie zumindest bisher weniger schlimm war als 2006 oder 2003, sie wird sogar von weiten Teilen der Medien und Parteien fälschlicherweise als Ursache für die Probleme in der Landwirtschaft, in den Flüssen und Wäldern angesehen. Das ist atemberaubender Unfug, weil die Hitze erst seit gut einer Woche in unser Land gekommen ist, und die eigentliche Ursache für die Misere, die Dürre, schon seit mehreren Monaten vor allem in der Mitte und im Norden Deutschlands herrscht.

Die Temperaturen bis heute wären ein Garant für Rekordernte in fast allen Bereichen, hätte es im ganzen Land immer wieder mal geregnet wie im Süden, der auch gestern wieder durch Schauer und Gewitter bedacht wurde. Die vielfältigen Berichte und Sondersendungen, die immer von einer Hitzewelle sprachen und dann Auswirkungen von Dürre zeigten, waren für mich der bisherige Fake-News-Höhepunkt des Jahres – Dürre kann es bei jeder Temperatur geben, gerade in den Frühlingsmonaten war es bei durchaus jahreszeitgemäßen Temperaturen schon zu trocken.

Das Argument, dass die Hitze jetzt alles noch schlimmer mache, weil nun Wasser mehr verdunsten würde, ist völlig abseitig, weil es in den trockenen Böden nichts mehr zu verdunsten gibt. Die hohen Temperaturen schaffen allenfalls neue Probleme in Bächen und Flüssen, weil verschiedene Fischarten bei uns nicht jede Temperatur überleben. Wir werden in den nächsten Tagen entsprechend mehr über Fischsterben hören – allerdings war auch da Dürre first, wenn die Flüsse genug Wasser führten (wie im viel heißeren Juli 2006), dann könnte die Hitze das viel grössere Wasservolumen nur unmaßgeblich aufheizen.

Normaler Sommer oder Beginn des Klimawandels? 

Die Unschärfe in den Begriffen selbst durch Medien und Behörden, die es über ihren beruflichen Umgang mit der Materie und der deutschen Sprache besser wissen müssten, führt uns zu den Ursachen zu einer Misere, die uns auch in der wieder virulenten Diskussion begleitet, ob die Witterung dieses Sommers nun noch normal sei oder ein typischer Beginn des Klimawandels, wie er uns immer vorhergesagt wurde.

Es werden immer wieder Tage genannt, deren historische Hitze niemand in Zweifel zieht, wie zum Beispiel die ersten Julitage 1905 oder der 23. Juli 1911.

Tatsache ist, dass kein Klimaforscher, der bei Trost ist, die Tatsache abstreitet, dass es früher auch schon heiß und gerne auch heißer war. Das Problem ist, dass vermutet wird, dass es immer öfter heiß und im Sommer auch trocken wird, weil sich die Temperaturgegensätze zwischen polaren und subtropischen Gegenden vermindern. Das führt zu einer generellen Verminderung der Lust, kühle Westwindlagen zu entwickeln, blockierende Lagen mit je nach Position des Hochs und Tiefs Nord- oder Südlagen werden häufiger. Oder vielleicht sommerhausgerecht formuliert: Es geht weniger quer, dafür mehr rauf oder runter.

Wärmedom bahnt sich Weg nach Deutschland

Die Wetterlage in diesem Sommer ist genau das, was uns die meisten Klimaforscher vorausgesagt haben, ohne dass wir natürlich hundertprozentig wissen, ob es die Wetterlage nicht ohne Menschen auf der Welt trotzdem gegeben hätte – in den kommenden Jahren wissen wir mehr. Im Winter spielt es eine große Rolle, ob der Wind rauf oder runter kommt, er ist dann entweder kalt (aus Norden bis Nordosten) oder mild (aus Süden bis Südwesten). Im Sommer ist das anders. Kommt der Wind aus Süden bis Südwesten, wird es heiß, das erleben wir gerade wieder. Kommt er aus Norden und Nordosten wie in den vielen Dürrewochen zuvor, ist er trotzdem warm bis sehr warm. Damit er von dort kommt, braucht es ein Hoch über Skandinavien, was sich im Frühling dort für längere Zeit festgesetzt hat.

 

Durch die sehr großen Tageslängen bis zu 24 Stunden erwärmte sich die skandinavische Landmasse in der Folge auf sommerliche Temperaturen, die uns meist Werte zwischen 23 und 28 Grad brachten – wie schon erwähnt, perfekt für die Landwirtschaft, wenn es denn geregnet hätte.