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Neuigkeiten
31.01.2019, 16:28 Uhr | Olaf Damm, Angela Hybsier, Schönefelder Gemeindeanzeiger
Interview mit dem Vorsitzenden des Entwicklungsausschusses der Gemeinde Schönefeld
Angela Hybsier (Schönefelder Gemeindeanzeiger) im Gespräch mit Olaf Damm
Mit dem Näherrücken des neuen Eröffnungstermins des BER im Herbst 2020 wächst die Nachfrage und der Bedarf nach Flächen für den Wohnungsbau und für gewerbliche Ansiedlungen in der Gemeinde Schönefeld. Die Gemeinde verfügte bis 2016 an prädestinierten Stellen (Entwicklungsschwerpunkten) über ausreichend „baureife Flächen“ bzw. in der Aufstellung befindliche Bebauungspläne. Dieser Vorrat schmolz in den letzten Jahren rapide ab. Mit der Gestaltung und Ausrichtung der gemeindlichen Planungsziele beschäftigt sich der Entwicklungsausschuss (EA) der Gemeinde. Über die aktuellen Aufgaben und Herausforderungen sprachen wir mit dem langjährigen Ausschussvorsitzenden Olaf Damm.
Schönefeld -

1.  Der Entwicklungsausschuss ist einer von fünf Gremien der Gemeindevertretung. Welche Rolle spielt der EA in Schönefeld?    

 

Jeder Vorsitzende wird Ihnen hier antworten: …“eine große“!

Die Bedeutung lässt sich am eindrucksvollsten daran messen, dass jede Fraktion in der Gemeindevertretung ihren Fraktionsvorsitzenden als Mitglied in den Ausschuss entsandt hat. Daraus schlussfolgere ich, dass bei allen politischen Akteuren eine hohe Wertschätzung und Erwartungshaltung in deren Arbeit besteht.

 

Der Ausschuss wurde 2011 auf Veranlassung des Bauausschusses (BA), den ich seinerzeit leitete, gegründet.

Notwendig wurde die Etablierung des Ausschusses aufgrund der großen Anzahl laufender Bebauungsplan-Verfahren zur Entlastung des Bauausschusses.

2012 wollte der Flughafen BER eröffnen. Zahlreiche potentielle Investoren gaben sich in der Verwaltung die Klinke in die Hand. Jeder hielt seine Investition für unverzichtbar und hatte den Wunsch, in vorderster Reihe als Erster zu bauen.

 

Diesem Ansturm musste ein strategisches Entwicklungskonzept gegenübergestellt werden, dass den hohen Maßstäben an eine geordnete Stadtplanung und zwar auf der Grundlage des aktuell gültigen Flächennutzungsplans Rechnung tragen sollte. 

 

Bis heute hat der Entwicklungsausschuss insgesamt 70 Bebauungspläne (B-Pläne), über ein Dutzend Masterpläne (MP) und nahezu 60 Änderungen zum Flächennutzungsplan (FNP) in den Entwicklungsschwerpunkten behandelt und verabschiedet.

 

Das stellt eine enorme Leistung vieler ehrenamtlicher Schönefelder Bürger und unserer Verwaltung im Dezernat 2 dar!

 

2.     Was verstehen Sie unter Entwicklungsschwerpunkten und wo befinden sich diese in der Gemeinde?

 

Maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung in Schönefeld hat der Flughafen mit seinen Zugängen.

Besonders ausgeprägt war die Ansiedlungsnachfrage an der Hauptzufahrt zum Terminal in Waltersdorf und am sogenannten „Hintereingang“ in Selchow.

2011 haben wir drei Schwerpunkte definiert.

I.                 Hauptzufahrt BER in Waltersdorf (Arbeitstitel: Gateway BBI)

II.               Messe Selchow (Arbeitstitel: Selchow West Gate)

III.             Neu-Schönefeld (Arbeitstitel: Schönefeld Nord, Hans-Grade-Allee)

Durch die wiederkehrende Verschiebung des BER-Eröffnungstermins kühlte sich die gewerbliche Nachfrage zugunsten des Wohnungsbaus schnell ab.

Schönefeld Nord und der Wohnungsbau rückten in den Vordergrund.

Eine neue Stadt musste geplant werden!

 

3.     Das klingt spannend! Welche Aufgabenstellung war damit verbunden?

 

Im Detail wussten wir das 2015 selber nicht!

Der Ausschuss wuchs jedoch mit seinen Aufgaben. Mehrere Fachplaner, wie z.B. Stadt,- und Verkehrsplaner begleiteten die Entwicklungen.

Unsere „Ideenschmiede“ produzierte erste Konzepte und Pläne für die Entwicklung der sozialen Infrastruktur, des Verkehrs, der Entwässerung, der Medienversorgung und der Naherholung für Schönefeld Nord.

 

Schnell stießen wir an Grenzen unserer gemeindlichen Zuständigkeiten.

Beispielhaft sei hier der fließende Verkehr genannt. Unsere Bemühungen um Klärung fand vorerst bei der IHK Cottbus Gehör. Dort hielt ich 2017 im regionalen Ausschuss für Verkehr einen Vortrag. Die IHK hat 2018 eine Verkehrsstudie für das Umfeld des BER beauftragt. Die Ergebnisse werden in den nächsten Tagen präsentiert und - soviel kann ich verraten - sie unterstützen unsere, im Entwicklungsausschuss geschaffenen Planungsansätze.

 

Im Focus steht nach wie vor die Entwicklung von Schönefeld Nord.

Jedoch dürfen wir die übrigen Ortsteile und deren Entwicklungspotentiale nicht vergessen.

 

4.     Gibt es neue Entwicklungsschwerpunkte?

 

Ja, es gibt einen neuen Schwerpunkt u.a. in Großziethen (GRZ)!

Die Aufgabenstellung ähnelt der von Neu Schönefeld.

 

Die Besonderheit in GRZ besteht darin, dass bisher eine maßgebliche Erweiterung der Wohnbebauung durch den alten Landesentwicklungsplan (LEP) ausgeschlossen wurde.

Aktuell hat das Land Brandenburg einen neuen LEP im Genehmigungsverfahren, der eine Wohnbebauung zwischen der Gartenstadt im Norden und dem gewachsenen Dorfkern im Süden vorsieht.

Diese Option betrachten wir als städtebauliche Herausforderung für ein Abrunden und Harmonisieren der zusammenwachsenden beiden Siedlungskörpern.

 

In den nächsten Sitzungen des EA werden wir erste Entwürfe zur Gestaltung der erforderlichen Infrastruktur diskutieren.

 

5.     Vorausgesetzt der neue Landesentwicklungsplan (LEP) erlangt Rechtskraft, wie könnte sich Ihrer Meinung nach Großziethen (GRZ) verändern?

 

In diesem Fall wäre langfristig eine Verdoppelung der Einwohner von GRZ denkbar.

 

Mittelfristig muss die soziale Infrastruktur erheblich aufgerüstet werden.

Neben KITA und Grundschule wäre mindestens eine weitere Oberschule sinnvoll.

 

Zur Erschließung und zum Ableiten des Verkehrs könnten eine neue Ost-West-Achse und ein „Bypass“ zur Karl-Marx-Straße dienen.

 

Der öffentliche Personennahverkehr ist mit Berlin enger zu verzahnen und auszubauen. Dabei kommen den Bereichen Bus und TRAM jeweils eine besondere Bedeutung zu.

 

6.     Welche kurzfristigen Maßnahmen für Großziethen (GRZ) werden Sie im Ausschuss thematisieren?

 

Unmittelbarer Bestandteil der aktuellen Planungen der nächsten Monate werden die Themen Spiel,- Bolz,- und Sportplatz sein.

Hier kommt es darauf an, das Entwicklungspotential von GRZ gerade in den Themenfeldern der Freizeitgestaltung und der Naherholung neu auszurichten und auf Zuwachs zu planen.

 

Der Entwicklungsausschuss wird der Gemeindevertretung bis Mitte des Jahres 2019 beschlussreife Vorschläge für die Realisierung der entsprechenden Projekte vorlegen.

 

7.     Welches zukünftige Projekt ist für Sie am bedeutungsvollsten und welches am kompliziertesten zu realisieren?

 

Das ist eine schwierige Frage.

Schwierig und kompliziert sind verkehrstechnische Planungen insbesondere zur Ertüchtigung von Kreuzungen verschiedener Baulastträger.

Beispielhaft genannt seien hier die Knotenpunkte zwischen der Hans-Grade-Allee und der Waltersdorfer Chaussee im Ortsteil Schönefeld oder die sogenannte „IKEA Kreuzung“ in Waltersdorf.

Hier stoßen wichtige „Sammelstraßen“ auf Autobahnanschlüsse und somit sitzen unsere Gesprächspartner im Bundesministerium für Verkehr – also weit weg!

 

Einen besonderen Schwerpunkt bildet das lange anhängige Planungsverfahren für ein einheitliches Niederschlagswasser Entwässerungskonzept.

Die Betroffenheit der Einwohnerschaft ist hier besonders zu spüren. Deshalb muss dieses Verfahren schnellstmöglich zu einem guten Abschluss und einer verträglichen Umsetzung gelangen.

Vom Erfolg dieser Maßnahme hängt nicht nur der Straßenausbau in der Gartenstadt ab, sondern gleichzeitig jede weitere Bebauungsoption und Versiegelung innerhalb der tektonischen „Badewanne“ von GRZ.

 

Mein Ziel ist es, das der EA zusammen mit dem Bauausschuss, das Konzept bis Ende 2019 soweit voranbringt, dass es in einer Einwohnerversammlung präsentiert werden kann.

Anschließend soll es 2020 für die bedarfsgerechte Straßenausbaukonzeption in der Gartenstadt und die Erweiterung der Wohnbebauung als „Masterplan-Entwässerung“ dienen.

aktualisiert von Andreas Hochgesang, 31.01.2019, 16:44 Uhr